Solo-Selbstständige – und trotzdem nicht allein

Warum beruflicher Austausch, Supervision und Coaching so wichtig sind

Selbstständig zu sein hat viele schöne Seiten. Man kann eigene Ideen verwirklichen, Entscheidungen selbst treffen und den beruflichen Alltag so gestalten, wie es zu einem passt. Man ist die eigene Chefin oder der eigene Chef und geht seinen ganz persönlichen Weg.

Doch Selbstständigkeit hat auch eine andere Seite, über die meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen wird: Man ist mit vielen Dingen auf sich allein gestellt.

Ein schwieriges Gespräch mit einem Kunden liegt hinter einem. Eine wichtige Entscheidung steht an. Ein Auftrag entwickelt sich anders als erwartet. Oder man fragt sich nach einem Arbeitstag, ob man in einer bestimmten Situation richtig gehandelt hat.

Im Angestelltenverhältnis gibt es häufig Kolleg, mit denen man solche Situationen besprechen, eine zweite Meinung einholen oder gemeinsam nach Lösungen suchen kann. Doch wie ist das, wenn man alleine arbeitet?

Muss man wirklich alles mit sich selbst ausmachen, nur weil man selbstständig ist?

Wenn der berufliche Austausch fehlt

Vielleicht kennen Sie das: Ein Gespräch mit einem Kunden beschäftigt Sie noch lange danach. Eine Entscheidung steht an, aber Sie wissen nicht genau, welcher Weg der richtige ist. Sie würden sich gerne mit jemandem austauschen, Ihre Gedanken sortieren und eine andere Perspektive hören.

Doch mit wem?

Natürlich gibt es Familie, Freunde und Bekannte. Aber nicht jedes berufliche Thema lässt sich dort gut besprechen. Und manchmal möchte man das private Umfeld auch gar nicht ständig mit den eigenen beruflichen Herausforderungen beschäftigen.

So kann eine besondere Form beruflicher Einsamkeit entstehen: Man ist zwar mit vielen Menschen in Kontakt, bleibt mit den eigenen beruflichen Fragen aber häufig allein.

Der Beratungswissenschaftler Reichel (2008) beschreibt dieses Phänomen als strukturelle Einsamkeit von Freiberufler. Gemeint ist damit nicht unbedingt soziale Isolation, sondern das Fehlen von Kolleg und regelmäßigen Austauschmöglichkeiten im beruflichen Alltag.

Ich finde diesen Gedanken sehr treffend. Denn gerade wenn man vieles selbst entscheiden und verantworten muss, kann ein Gegenüber unglaublich wertvoll sein.

Warum es manchmal schwerfällt, Unterstützung anzunehmen

Interessanterweise fällt es vielen Selbstständigen nicht leicht, sich Unterstützung zu holen.

Vielleicht liegt das auch an unserem eigenen Anspruch. Wer ein Unternehmen führt oder freiberuflich arbeitet, möchte kompetent sein, gute Arbeit leisten und seine Entscheidungen souverän treffen. Man hat schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit bewusst gewählt und möchte zeigen, dass man es schafft.

Und dann soll man zugeben, dass man unsicher ist oder gerade nicht weiterweiß?

Vielleicht kommen Ihnen solche Gedanken bekannt vor:

  • Das müsste ich doch selbst lösen können.

  • Andere schaffen das schließlich auch.

  • Ich darf mir keine Unsicherheit anmerken lassen.

  • Ich muss nach außen professionell und souverän wirken.

  • Ich habe ohnehin schon genug zu tun. Wann soll ich mich auch noch darum kümmern?

Solche Gedanken sind verständlich. Sie können aber zusätzlichen Druck erzeugen.

Jagow (2012) beschreibt, dass sich Unternehmer und Freiberufler häufig stark über ihre fachliche Kompetenz und ihre Rolle als Verantwortliche definieren. Unterstützung anzunehmen kann deshalb eine Herausforderung sein.

Dabei ist es selbstverständlich: Auch Menschen, die andere beraten, begleiten oder für ein Unternehmen Verantwortung tragen, brauchen manchmal selbst jemanden an ihrer Seite.

Sich Unterstützung zu holen bedeutet nicht, dass man etwas nicht kann. Es bedeutet, dass man sich selbst und seine Arbeit ernst nimmt.

Nicht jedes berufliche Thema gehört ins private Umfeld

Wenn es im beruflichen Alltag keine Kolleg gibt, mit denen man sich austauschen kann, landen viele Themen irgendwann zu Hause.

Der Partner oder die Partnerin hört sich an, was beim letzten Kundengespräch schwierig war. Freunde bekommen die neuesten Überlegungen zur Preisgestaltung mit. Und beim Abendessen dreht sich das Gespräch wieder einmal um einen beruflichen Konflikt.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht. Menschen, die uns nahestehen, können eine wichtige Unterstützung sein. Trotzdem kann es auf Dauer anstrengend werden, wenn sich vieles nur noch um die Arbeit dreht. Außerdem fehlt im privaten Umfeld manchmal das Verständnis für die besonderen Anforderungen der Selbstständigkeit.

Es kann deshalb hilfreich sein, berufliche Themen auch an einem anderen Ort zu besprechen – mit Menschen, die die Situation kennen oder professionell dabei unterstützen, sie zu reflektieren.

Das können andere Selbstständige, ein berufliches Netzwerk, Kolleg oder eine Supervisorin bzw. ein Coach sein.

Es geht nicht darum, das private Umfeld auszuschließen, sondern zusätzliche Möglichkeiten für beruflichen Austausch zu schaffen.

Ein Netzwerk ist mehr als eine Möglichkeit, neue Aufträge zu bekommen

Wenn von beruflichen Netzwerken die Rede ist, denken viele zuerst an Kontakte, Empfehlungen und neue Kund. Das gehört natürlich dazu. Aber ein Netzwerk kann noch viel mehr sein.

Es kann ein Ort sein, an dem man Erfahrungen teilt, Fragen stellt und voneinander lernt. An dem man auch einmal sagen darf: „Ich weiß gerade nicht weiter. Wie geht es euch damit?“

Wie wohltuend kann es sein, wenn jemand eine ähnliche Situation kennt und man merkt, dass andere mit vergleichbaren Herausforderungen zu tun haben.

Ein gutes berufliches Netzwerk bietet die Möglichkeit,

  • Erfahrungen und Wissen auszutauschen,

  • von anderen zu lernen,

  • eigene Zweifel und Unsicherheiten anzusprechen,

  • schwierige Situationen gemeinsam zu betrachten,

  • neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln,

  • sich gegenseitig zu unterstützen.

Dabei muss nicht immer Konkurrenz im Vordergrund stehen. Andere Selbstständige können auch Verbündete sein.

Manchmal verändert schon ein einziges Gespräch den Blick auf eine Situation.

Supervision und Coaching: Raum für die eigenen beruflichen Themen

Neben dem Austausch mit anderen Selbstständigen können Supervision und Coaching eine wertvolle Möglichkeit sein, sich bewusst Zeit für die eigene berufliche Situation zu nehmen.

Denn im Alltag gibt es Aufträge zu erledigen, Kund zu betreuen, Rechnungen zu schreiben und Entscheidungen zu treffen. Dabei bleibt oft wenig Raum, um das eigene berufliche Handeln und die persönliche Entwicklung in den Blick zu nehmen.

In der Supervision geht es darum, berufliche Situationen und das eigene Handeln genauer anzuschauen.

Was beschäftigt mich in der Zusammenarbeit mit Kund? Warum geht mir eine bestimmte Situation nicht aus dem Kopf? Wo brauche ich mehr Klarheit oder eine bessere Abgrenzung? Welche Rolle nehme ich in bestimmten beruflichen Beziehungen ein?

Supervision schafft einen geschützten Rahmen, um solche Fragen zu reflektieren und neue Sichtweisen zu entwickeln.

Im Coaching können wiederum persönliche und unternehmerische Ziele, Entscheidungen und Entwicklungsschritte im Mittelpunkt stehen.

Vielleicht möchten Sie herausfinden, wohin Sie sich beruflich entwickeln wollen. Vielleicht stehen Sie vor einer wichtigen Entscheidung oder merken, dass Sie mit bestimmten Erwartungen an sich selbst unter Druck geraten.

Mögliche Fragen sind:

  • Was beschäftigt mich in meiner Selbstständigkeit gerade besonders?

  • Welche Entscheidung schiebe ich schon länger vor mir her?

  • Wo zweifle ich an mir oder meinen Fähigkeiten?

  • Welche Erwartungen stelle ich an mich selbst?

  • Was möchte ich verändern?

  • Was brauche ich, um meine Selbstständigkeit so zu gestalten, dass sie langfristig zu mir passt?

Coaching und Supervision bedeuten nicht, dass jemand von außen die fertigen Antworten liefert. Vielmehr geht es darum, gemeinsam hinzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen, eigene Ressourcen zu entdecken und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Manchmal ist es bereits eine große Erleichterung, die Dinge einmal auszusprechen, die einen schon länger beschäftigen.

Selbstständig sein heißt nicht, Einzelkämpfer sein zu müssen

Ich finde, wir dürfen das Bild vom erfolgreichen Einzelkämpfer und von der erfolgreichen Einzelkämpferin ruhig ein wenig hinterfragen.

Natürlich gehört Eigenverantwortung zur Selbstständigkeit. Man muss Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und auch mit Unsicherheiten umgehen können. Aber das bedeutet nicht, dass man immer alles wissen, alles können oder alleine bewältigen muss.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, sich Unterstützung zu holen. Im Gegenteil: Es kann eine bewusste Entscheidung für die eigene berufliche Entwicklung und Zufriedenheit sein.

Selbstständig zu sein bedeutet, den eigenen beruflichen Weg zu gehen. Aber man muss ihn nicht alleine gehen.

Sie möchten berufliche Herausforderungen nicht länger allein mit sich ausmachen?

Vielleicht gibt es gerade ein Thema, das Sie beschäftigt. Ein Gespräch, das Sie gerne reflektieren würden. Eine Entscheidung, die ansteht. Oder einfach das Gefühl, dass es gut wäre, einmal mit jemandem außerhalb des eigenen beruflichen und privaten Umfelds darüber zu sprechen.

In meiner Arbeit mit Supervision und Coaching biete ich Ihnen dafür einen Raum.

Einen Raum, in dem Ihre beruflichen Fragen Platz haben. In dem Sie innehalten, Ihre Situation aus einer anderen Perspektive betrachten und neue Möglichkeiten entdecken können.

Mir ist wichtig, dass Sie mit Ihren Anliegen ernst genommen werden und gemeinsam mit mir herausfinden können, was für Sie und Ihre berufliche Situation hilfreich ist.

Sie müssen nicht erst warten, bis alles zu viel wird. Manchmal ist es gerade dann sinnvoll, sich Zeit für die eigenen Themen zu nehmen, wenn noch alles einigermaßen gut läuft.

Denn auch wenn Sie Ihr Business alleine führen, müssen Sie nicht alles alleine tragen.

Solo-Selbstständige – und trotzdem nicht allein.

📚 Quellen und theoretische Grundlagen:

Jagow, P. (2012). Executive Coaching von Freiberuflern, Selbstständigen und Unternehmern – Unterschiede zum Coaching von Angestellten. Coaching Magazin, 2, 23–27.

Reichel, R. (2008). Beratung für freiberufliche EinzelkämpferInnen. In H. Krall, E. Mikula & W. Jansche (Hrsg.), Supervision und Coaching: Praxisforschung und Beratung im Sozial- und Bildungsbereich (S. 195–204). VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Schreyögg, A. (2004). Coaching. In F. Nestmann, F. Engel & U. Sickendiek (Hrsg.), Das Handbuch der Beratung: Band 2 – Ansätze, Methoden und Felder (S. 947–957). DGVT-Verlag.